früher: Jugend-„Weihe“

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Die Geschichte der Jugend-Weihe
von Michael Schmidt, Sprockhövel

Mit dem erwachenden Bewusstsein vor vielen tausend Jahren stellten sich die Menschen sehr schnell auch existentielle Fragen nach dem „Woher“, „Wohin“ und „Warum“ ihres Daseins auf der Welt. Das Leben der Menschen war naturgemäß sehr eng verbunden mit den Abläufen in der Natur: Jahreszeiten, Sonnenwende, Erntezeit, Sonne, Regen, Schnee, Kälte und Wärme waren natürliche Ereignisse, die von den Menschen mit besonderer Aufmerksamkeit betrachtet wurden. Hinter vielen Ereignissen stand für die frühen Menschen eine besondere spirituelle Energie, eine Gottheit, die zum damals noch ganzheitlichen Verständnis der Natur gehörte. Weitab von den modernen Erkenntnissen der Naturwissenschaften gaben diese Gottheiten den Menschen Halt und Struktur in einem Leben, das gerade erst dem Tierreich entronnen war. Mehr und mehr wurden besondere Ereignisse im Leben auch auf besondere Weise gefeiert. Hinzu kamen Beschwörungen, Danksagungen oder andere Feierlichkeiten zu gesellschaftlichen Ereignissen wie Geburt, Tod, Hochzeit, Beginn der Fruchtbarkeit oder auch zum Übergang von der Kindheit in das Erwachsenenleben. Über viele hundert Generationen hinweg entwickelten sich diese aus dem natürlichen Bewusstsein der Menschheit geborenen Feiern zu feststehenden Ritualen. Oft waren Rituale mit besonderen Geschenken, Mutproben oder anderen Aufgaben verbunden.

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Als die Götter von den Herrschern vereinnahmt wurden

Mit der weiteren Entwicklung der Menschheit vollzog sich ein folgenschwerer Wandel in der gesellschaftlichen Ordnung. Aus der ursprünglich natürlichen Ordnung des Zusammenlebens entwickelten sich die ersten Unterdrückungsstrukturen, die letztlich zu einer gut funktionierenden Gesellschaft der Sklavenhalter führten. Gesamtgesellschaftlich war diese neue Ordnung der alten überlegen, da sie die Erforschung der Natur vorantrieb und so zu einer höheren wirtschaftlichen Produktivität führte. Den Preis dafür zahlten die Sklaven, die nicht länger zur menschlichen Gesellschaft gezählt wurden und die einfachen Bauern und Handwerker, denen Pharaone, Kaiser und Könige über viele Jahrtausende als gottgewollte Herrscher über Land und Leute gelten sollten.

Selbstverständlich hatte jeder Herrscher seine eigenen Machtinteressen und nicht zuletzt auch deshalb seine eigenen Götter, die ihn vor seinem Volk und anderen Herrschern schützen sollten. Und natürlich gab es auch schon in den einfachen Gesellschaften Widerstand gegen diese Willkürherrschaft. So geschah es auch im damaligen römischen Reich, dass Menschen sich gegen die unvorstellbaren Verhältnisse auflehnten. Dabei lehnten sie sich natürlich nicht nur gegen die weltlichen Herrscher auf, sondern in der Regel auch gegen die ihn unterstützenden Gottheiten. In dieser Zeit wurde Jesus Christus geboren, ein armes Bauernkind, dem viele unterdrückte Menschen in ihrer Not übernatürliche Kräfte zuschrieben. Das war übrigens für diese Zeit keine Seltenheit, denn die Menschen sehnten sich ständig nach Erlösung aus den unmenschlichen Verhältnissen ihres Daseins. Und da sie selbst keinen natürlichen Weg zur eigenen Befreiung sahen, blieb nur ein übernatürlicher – eben göttlicher – Weg. Es gab unzählige neue Götter, die um Anhänger warben. Die Menschen, die sich um Jesus Christus scharten, wurden ebenso wie viele Menschen, die anderen „übernatürlichen Befreiern“ folgten, als Gegner der römischen Herrschaft grausam verfolgt.

Das Christentum wird selbst zur herrschenden Macht

Das Christentum, also die Menschen, die in Jesus Christus ihren neuen Gott sahen, überlebten den Zerfall des römische Reiches und entwickelten mit der Zeit eigene Organisations- und Machtstrukturen. Sie verbündeten sich in den folgenden Jahrhunderten mit den wechselnden neuen Herrschern im Abendland und erstickten auf grausame Weise das Aufkommen neuer Religionen. Bis in die heutige Zeit durchdringt die christliche Kirche das gesellschaftliche Leben auch in Deutschland, um ihre eigene Macht zu sichern.

Jahrtausendealte, vorchristliche „heidnische“ Bräuche wurden okkupiert und als christliche Feste ausgegeben. Das Weihnachtsfest wird als Geburtstag von Jesus Christus gefeiert, obwohl historisch belegt ist, dass die Geburt keinesfalls Ende Dezember gewesen sein kann. Vielmehr kämpfte die christliche Kirche gegen die Sonnenwendfeier der „Ungläubigen“, welche in jedem Jahr am 21. Dezember begangen wurde. Mit dem Weihnachtsfest gaben die Christen diesem uralten Sonnenwendfest einen neuen – nämlich eigenen – Sinn. Auch das jahrtausendealte Initiationsritual des Übergangs junger Menschen von der Kindheit in das Erwachsenenleben wurde von der Kirche zweckentfremdet. Kommunion und Konfirmation haben mit dem ursprünglichen Ziel der Aufnahme in die Welt der Erwachsenen nichts mehr gemein. Vielmehr wird hier die Zugehörigkeit zu einer überlebten Religionsgemeinschaft bekundet, die von Jugendlichen eher aus Gewohnheit denn aus Überzeugung begangen wird.

Jeder Steuerzahler – ganz gleich ob er Kirchenmitglied ist oder nicht – finanziert den Machtapparat der beiden großen Kirchen in Deutschland. So wird die Kirchensteuer über das Finanzamt eingetrieben, ist die Kirchensteuer steuerlich absetzbar, wird die Ausbildung und Tätigkeit von Religionslehrern an staatlichen Schulen vom Staat finanziert und nahezu 95% aller Ausgaben für Kindergärten, Horte etc. werden über den Staat getragen. Angestellte in Kirchenorganisationen wie Caritas oder Diakonie müssen auf normale Arbeitnehmerrechte verzichten; sie dürfen nicht streiken und werden bei Austritt aus der Kirche entlassen.

Neben den Kreuzzügen ist die Inquisition das bekannteste Unterdrückungsinstrument der christlichen Kirche gewesen. Viele hunderttausend Menschen wurden im Namen des christlichen Gottes getötet, um die Macht der kirchlichen Vertreter auszuweiten. Mit irrwitzigen, dogmatischen Theorien wurde den Menschen die Politik der Kirche begründet. Noch heute wird im Vatikan die Teufelsaustreibung gelehrt, werden „heilige“ Menschen und Gegenstände verehrt, müssen katholische Priester im Zölibat leben, dürfen „gemischte“ Paare nicht heiraten, werden Waffen und Soldaten gesegnet usw.

Urkunde_JugendweiheDie Aufklärung fordert, den eigenen Verstand zu gebrauchen

Ende des 18. Jahrhunderts vollzog sich ein grundlegender Wandel in den Naturwissenschaften. Für viele Phänomene, die bis dahin nicht erklärbar waren oder als gottgewollt dargestellt wurden, gab es nun eine völlig natürliche Erklärung. Es gelang der Kirche immer weniger, die Menschen weiterhin für dumm zu halten. Doch dauerte es noch lange Jahre, bis auch die Kirche die Erde nicht mehr für eine Scheibe hielt.

Die Herrschaft der Vernunft, das Zeitalter der Aufklärung begann. „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ ist der Wahlspruch der Aufklärung des Philosophen Immanuel Kant. Vor allem in Frankreich, später auch in Deutschland wandten sich Intellektuelle gegen das alte feudale System und die Willkür der Kirche. Als Folge wurde die Leibeigenschaft der Bauern aufgehoben, die Folter abgeschafft und die Rechte der Kirche eingeschränkt. Seit 1847 war es sogar möglich, aus der Kirche auszutreten – wenn auch gegen Zahlung eines hohen Geldbetrages.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts machten sich die neuen rationalistischen Bewegungen auch bei den beiden großen Konfessionen bemerkbar. Die Folge war eine große Kirchenaustrittswelle. Von der Orthodoxie heftig bekämpft, bildeten sich in vielen Teilen Deutschlands freireligiöse Bewegungen, von der Amtskirche unabhängige Gemeinden, die dem Einzelnen und der Natur höchste Autorität zubilligten und ihre eigenen Feste feierten. In ihrem Umfeld entstand auch die erste Jugendweihe. Als ihr Gründervater gilt Eduard Baltzer, der 1847 die Freie Protestantische Gemeinde Nordhausen ins Leben gerufen hatte. Eduard Baltzer war Demokrat, Pfarrer und Abgeordneter der ersten Deutschen Nationalversammlung, die am 18. Mai 1848 in der Frankfurter Paulskirche zusammentrat. Er suchte, wo immer er konnte, die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern, so zum Beispiel durch die Gründung eines Kindergartens in Schweina bei Bad Salzungen.

Baltzers Bruch mit der Amtskirche, nicht aber mit dem christlichen Glauben, führte dazu, dass er 1852 anstelle der Konfirmation eine außerkirchliche Feier für junge Menschen veranstaltete, die er „Jugendweihe“ nannte. Der Begriff setzt sich indes erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, unter dem Einfluss von Arbeitervereinen, Verbänden der Freidenker und der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, durch. Auch wenn zur Zeit des Kaiserreichs zunächst nur wenige Jugendliche an der freireligiösen und später der proletarischen Jugendweihe teilnahmen, so war die Bewegung doch nicht mehr aufzuhalten.

Anfangs stand die sich bildende Sozialdemokratie den Freireligiösen offiziell ablehnend gegenüber, was ein Teil der führenden Vertreter nicht davon abhielt, dort Mitglied zu sein. Dies war z.B. eine Möglichkeit, die Kinder vom schulischen Religionsunterricht abmelden zu können und weltlich zu erziehen. Mit dem Erlass der Sozialistengesetze organisierten sich immer mehr Arbeiter in den Gemeinden. Viele dürften die Gemeinde auch als eine Art politische Tarnorganisationen benutzt haben. Dies führte mit der Zeit dazu, dass in manchen Gemeinden Mitglieder der organisierten Arbeiterschaft in der Mehrheit waren. Der Charakter der Gemeinden veränderte sich immer mehr zu weltlichen Vereinigungen, die ihren Schwerpunkt auf weltliche Kultur- und Bildungsarbeit legten. So wurden sie oft zu den Kultur- und Bildungsorganisationen der Arbeiterbewegung.

Die zunehmende Zuwendung zu weltlichen Vorstellungen führte auch dazu, dass sich Organisationen, die die religiöse Begrifflichkeit ablehnten, bildeten oder die spezielle Interessen hervorhoben. Zu diesen freigeistigen und kirchenkritischen Verbänden zählten auch die sich formierenden Freidenkerorganisationen. Diese Vereinigungen, die später das Bild der konfessionsfreien und kirchenkritischen Bewegung stark prägen sollten, entstanden also als der besonders weltliche Flügel der Freireligiösen.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts etablierte sich die Jugendweihe als die Feier, mit der konfessionsfreie Jugendliche hauptsächlich aus der Arbeiterschaft ihre Schulentlassung und den Übergang ins Berufsleben feierten, also den Übergang von der Kindheit in die Erwachsenenwelt. Sie waren damit auch eine Keimzelle der Arbeiterjugendbewegung. Bald feierten in den Großstädten mehrere tausend Jugendliche jährlich die Jugendweihe. Im Kalender der Arbeiterbewegung nahm sie nun einen festen Platz ein.

Gleichzeitig entwickelten sich auch verschiedene pädagogische Konzeptionen. Einig war man sich jedoch darin, die Kinder durch einen Unterricht auf die Jugendweihe vorzubereiten und die Feier inhaltlich zu füllen. Während die Freireligiösen, weitgehend als Religionsgemeinschaften anerkannt, einen mehrjährigen Unterricht als Art „Ersatzreligionsunterricht“ durchführen konnten, waren die Freidenker anfangs nur in der Lage, eine wenige Stunden umfassende Vorbereitung mit Sport, Spiel und Diskussionen zu bieten. Dies führte dazu, dass anfangs die freireligiösen Jugendweihen bevorzugt wurden. Mit der zunehmenden organisatorischen Stabilisierung der Freidenkerverbände verschob sich das Bild.

Die Jugendweihe in der Weimarer Republik

Mit dem Ende des ersten Weltkriegs erlebten die Freidenker einen großen Mitgliederzulauf. Die Großkirchen hatten auf beiden Seiten der Front Waffen gesegnet, das Völkerschlachten als gottgewollt dargestellt und natürlich Gott auch als Vertreter der eigenen Seite reklamiert. Ein großer Teil der deutschen Soldaten kehrte desillusioniert aus den Schützengräben zurück. Ein guter Teil war auch religiös desillusioniert und wandte sich von den Kirchen ab. Viele suchten nach einer Alternative und waren einer Ansprache durch die konfessionsfreien Verbände zugänglich.

Von Vorteil war auch, dass nun zumindest kurzfristig eine neue Generation von Politikern, von denen ein guter Teil kirchenfern war, und Parteien, die den Grundsatz der Trennung von Kirche und Staat vertraten, in der Regierung vertreten waren.

Ein bekannter Vertreter dieser neuen Politik war der langjährige Vorsitzende der freireligiösen Gemeinde Berlin, Adolph Hoffmann, der 1918/19 als USPD-Mitglied drei Monate als preußischer Kultusminister amtierte. Er verfügte die Befreiung von Religionsunterricht für Kinder von Dissidenten und Andersgläubigen, führte den gebührenfreien Kirchenaustritt ein und erneuerte die Korporationsrechte der freireligiösen Gemeinden. Wichtig war aber insbesondere, dass die bis dahin geltende kirchliche Schulaufsicht aufgehoben wurde.

Die von vielen Eltern und Verbänden verlangten konfessionsfreiweltlichen Schulen wurden jedoch nicht Gesetz, weil der Widerstand der Kirchen und einiger Parteien gegen diese Schulreform während der gesamten Zeit der Weimarer Republik ein solches Schulgesetz verhinderte. Die provisorischen Vorausverfügungen ließen aber bereits die Einrichtung von entsprechenden Sammelklassen zu und die starke Beschickung führte faktisch an vielen Orten zu freien Schulen. Freireligiöse und Freidenker propagierten vielfach die Einrichtung dieser Schulen und aus ihren Reihen rekrutierten sich hauptsächlich die Lehrer und Eltern, die sich zu freien Schulgemeinden zusammenfanden und die Einrichtung von Sammelklassen und kompletten freien Schulen durchsetzten.

Mit den (kirchen)freien Schulen wurde die Jugendweihe in weiten Teilen der Bevölkerung ein Begriff. Schulabgänger der freien Schule gingen fast komplett zur Jugendweihe. Schulabschlussfeier und Jugendweihe waren identische Begriffe. Da ganze Schulklassen nun geschlossen an der Jugendweihe teilnahmen, schnellten die jährlichen Teilnehmerzahlen in die Höhe. So war die Zeit der Weimarer Republik das Goldene Zeitalter der Jugendweihe.

Die Nationalsozialisten verbieten die Jugendweihe

Der Aufschwung der Jugendweihe-Bewegung wurde mit der Errichtung der Hitler-Diktatur, der Übergabe der Macht an die Nationalsozialisten plötzlich unterbrochen. Die Jugendweihe wurde verboten und viele ihrer Protagonisten inhaftiert oder umgebracht. Die Nationalsozialisten führten eigene Feiern durch, die mit der Tradition der Jugendweihe-Bewegung nichts zu tun hatten.

Die Jugendweihe nach 1945

Nach der Zerschlagung des Nazi-Regimes fanden sich vor allem Freidenker wieder zusammen und begannen noch in den Jahren 1946/47, erste Jugendweihen zu veranstalten. Auf dem Gebiet der späteren BRD hatte die Jugendweihe-Bewegung bis in die Mitte der fünfziger Jahre einen erheblichen Zulauf. Auf dem Gebiet der späteren DDR wurde die Wiederaufnahme der Jugendweihefeiern zunächst nicht verfolgt.

In den fünfziger und sechziger Jahren sanken die Teilnehmerzahlen an der Jugendweihe in der BRD jedoch rapide. Es fiel den Freidenkern in der Zeit des Kalten Krieges immer schwerer, ihren kämpferischen Atheismus mit sozialistischen Zukunftsidealen öffentlichkeitswirksam darzustellen. Zunehmend wurden Anbieter von Jugendweihefeiern in der BRD als aus dem Osten gelenkte Marionetten diffamiert. Als sich dann auch noch die SPD aus der kirchenkritischen Jugendweihe zurückzog und die KPD eine für die Zusammenarbeit wenig förderliche Politik der Abgrenzung proklamierte, gab es kaum noch personelle Ressourcen, um an die große Zeit in der Weimarer Republik anzuknüpfen. So gab es für die Jugend in der BRD über viele Jahre hinweg kaum Alternativen zur kirchlichen Kommunion und Konfirmation.

In der DDR besann man sich rechtzeitig wieder auf die Tradition der Jugendweihe. Am 6. Juli 1954 beschloss das Politbüro des Zentralkomitees der SED, bis zum 9. November des Jahres einen „Zentralen Ausschuss für Jugendweihe“ zu bilden. Bekannte Persönlichkeiten der DDR unterstützten diesen Beschluss und riefen zur Teilnahme an der Jugendweihe auf. Sie sollte „ein Kraftquell für die weitere Entwicklung der jungen Menschen sein“. Die Jugendstunden zur Vorbereitung auf die Jugendweihe gaben Antworten auf fundamentale Fragen, darunter: „Wie ist das Leben entstanden“, „Wie lernte der Mensch die Natur beherrschen?“, „Hat die Erde Brot für alle?“ usw.

Die Teilnehmerzahl an der DDR-Jugendweihe stieg rasch: von 17,7 Prozent aller 14-jährigen im Jahr 1955 auf 97,4 Prozent im Jahr 1985. Für diese Entwicklung war nicht nur die immense Unterstützung des Staates für Veranstaltungen und Exkursionen ausschlaggebend, sondern auch das politische Umfeld. Die Jugendweihe wurde zum Fest der Familie – mit vielen Gästen und Geschenken.

Nach dem Zusammenschluss von DDR und BRD im Jahre 1990 ergab sich dann ein neues Bild. Das politische System im Osten wurde zerschlagen, das Bedürfnis nach Jugendweihe aber blieb. Zehntausende Jugendliche im Osten wollten auch weiterhin die Jugendweihe feiern und bekamen sie auch. In Ost und West gründeten sich Vereinigungen zur Durchführung der Jugendweihe oder neue konfessionsfreie Verbände – wie etwa der Humanistische Verband Deutschlands – übernahmen diese Aufgabe.

In Ostdeutschland ist die Zahl der Teilnehmer an Jugendweihefeiern mittlerweile stabil auf einem hohen Niveau. In Westdeutschland kann erfreulicher Weise eine starke Zunahme der Beliebtheit der Jugendweihe festgestellt werden. Damit gibt es heute in ganz Deutschland wieder die Möglichkeit, den Übergang von der Kindheit in das Erwachsenenleben im Kreise seiner Familie zu feiern, ohne seinen Verstand vor der Kirchentür abgeben zu müssen. Ganz nach Immanuel Kant: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Quelle: www.hvd-nrw.de/105-fest-und-feierkultur/jugendfeier/360-die-geschichte-der-jugendweihe-jugendfeier

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